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Die Ölfrage

Immer wieder taucht die Frage auf: Welches ist das richtige Öl für einen alten Motor bzw. Getriebe. In den Bedienungsanleitungen stehen zum einen die Viskosität und zum anderen die Reinheit als Kriterium. Während letzteres heute von praktisch allen Produkten mühelos erfüllt wird, ist es mit der Zuordnung der passenden Viskosität nicht ganz so einfach. Sie ist nämlich stark abhängig von der Öltemperatur. In alten Anleitungen ist diese in °E (Grad Engler) für 50 °C angegeben. Heute gibt es zum einen für Industrieanwendungen die ISO-Viskositätsgruppen (ISO-VG) , die für 40 °C festgelegt sind und für Kfz-Öle die SAE-Viskositätsklassen (SAE-VK), die für 100 °C definiert sind (die W-Klassen definieren zusätzlich die (Frost-)Temperaturen für festgelegte Höhstviskositäten, für die die Fahrzeughersteller die Funktion des Schmierkreislaufs noch gewährleisten). Zu beachten ist außerdem, daß die ISO-VG die mittlere Viskosität angibt, sie darf vom Öl also unterschritten werden, während die SAE-VK die Mindestviskosität angibt. Im Viskositäts-Temperatur-Diagram unten sind diese Definitionspunkte als Sterne eingetragen. Zusätzlich ist die Kennlinie eines normalen Industrieöls, hier HLP68 oder CLP68 (braun) eingetragen, und die Kennlinie eines gängigen Mehrbereichs-Motorenöls 15W-40 (orange).

Ablesebeispiel

Für ein Getriebe mit Stahl-Lamellenkupplungen (Ns 2 f/h, Diema) schreiben die Hersteller eine Mindestviskosität von 5 °E bei 50 °C vor. Zur schnellen Umrechnung sind an der senkrechten Diagrammachse sowohl die Werte in mm²/s als auch in °E angetragen. 5 °E entsprechen also etwa 36 mm²/s (blaue waagerechte Linie). Man sucht jetzt den Schnittpunkt dieser Linie mit der senkrechten 50-°C-Linie. In diesem Punkt schiebt man eine Parallele zur Kennlinie HLP68 (blaue schräge Linie). Jetzt kann man an der 40-°C-Linie die notwendige ISO-VG ablesen (VG 68, da größer als 5 °E gefordert) und an der 100-°C-Linie die SAE-VK Getriebe mit SAE 85 oder 85W oder Motor mit SAE 25W oder 30.

Um die Eignung eines  Mehrbereichs-Öls zu prüfen, verbindet man einfach die beiden entsprechenden Definitionspunkte, hier 15W-40 (orange Linie). Am Schnittpunkt mit der 50-°C-Linie kann man dann 73 mm²/s bzw 10 °E ablesen.

Viskositäten von Einbereichsölen bei 50 °C

Aus dem Diagramm lassen sich folgende Werte ablesen:

Industrieöle HLP, CLP
SO-VG
mm²/s
°E
15
10,3
1,85
22
15,5
2,4
32
22
3,1
46
32
4,2
68
44
6,0
100
62
8,2
150
87
11,4
220
125
15,8
320
182
22,4
460
230
30,4
680
360
47,6

Dies sind die mittlere Viskositäten. Die tatsächliche kann bis zum Mittelwert zur  benachtbarten VG abweichen.

Motorenöle
SAE-VK
mm²/s
°E
0W
14
2,2
5W
15,5
2,4
10W
18,5
2,7
15W
28
3,8
20W
32
4,2
20
30
4,1
25W
57
7,5
30
75
9,9
40
100
13,2
50
170
22,3
60
215
27,8

Dies sind Mindestwerte. Die tatsächlichen können knapp vor dem Wert der nächsthöheren VK liegen.

Getriebeöle
SAE-VK
mm²/s
°E
70W
15
2,3
75W
19
2,8
80
30
4,1
80W
44
6,0
85
60
7,9
85W
110
14,5
90
80
10,5
110
130
17,1
140
190
25,1
190
310
40,9
250
470
62

Dies sind Mindestwerte. Die tatsächlichen können knapp vor dem Wert der nächsthöheren VK liegen.

Motoren

Motorenöle haben verschiedene Zusätze (Aditive) z. B. zum Neutralisieren von Verbrennungsrückständen o. ä. Deshalb sollten in Motoren auch nur Motorenöle verwendet werden. Modernen Hochleistungsöle enthalten Zusätze, die verhindern, daß sich Verunreinigungen absetzen, auch nicht in der Ölwanne. Sie sollen im Öl bleiben, bis sie im Ölfilter abgeschieden werden. Wenn aber der Motor noch keinen richtigen Ölfilter hat (Metallsiebe oder Spaltfilter sind unzureichend), werden die Verunreinigungen immer wieder in die Schmierstellen gefördert. Deshalb bieten die meisten Ölhersteller mittlerweile extra un- oder niedriglegierte Oldtimer-Motorenöle an. Diese wären dann das Mittel der Wahl.
Ältere Öle hatten einen größeren Viskositätsindex, d. h. mit steigender Temperatur nahm die Viskosität stärker ab. O&K verlangt bei der MD2 z. B. für 50 °C 12…16 °E, und für 100°C 2,0 °E. Während der 50-°C-Wert von einem SAE30-Öl mit 9,9 °E unterschritten wird, erfüllt es bei 100 °C mit 2,1 °E die Herstellerforderung. Man kann also problemlos für (fast) alle Altmotoren im Maschinenpark ein Einbereichsöl der Klasse SAE 30 wählen. Für mittelalte Motoren (Schönebeck, Cunewalde, Zittau, EM) verwenden wir das mittellegierte MD 305 von Addinol.

Getriebe

Während Motorenöle für höhere Gleitgeschwindigkeiten ausgelegt sind, müssen Getriebeöle eher hohen, aber kurzzeitigen Flächenpressungen auf den Zahnflanken standhalten.
Getriebe von Feldbahnloks sind in der Regel so robust gebaut, daß normale Getriebeöle völlig ausreichend sind. Für geringe Viskositäten können ebenso Hydrauliköle verwendet werden, manche Ölhersteller empfehlen dies sogar. Bei innenliegenden Lamellen- oder Konuskupplungen verbietet sich die Anwendung von irgendwelchen reibwertmindernden Zusätzen von selbst. Manche Lokhersteller schreiben für die Getriebe das gleiche Öl vor, wie für den Motor. Allerdings gab es damals auch noch keine speziellen Motorenöle, diese werden erst seit den 1940er Jahren angeboten. Sie schaden sicher nicht, vereinfachen aber die Lagerhaltung. Für Getriebe können folgende Richtwerte angenommen werden:

  • ohne innenliegende Kupplungen (Schieberadgetriebe; kleine Gmeinder, Deutz, UNIO): 8…15 °E, z. B. SAE 90,
  • mit Konuskupplungen (Ns 1, EL/ZL 105, O&K): 6,5…12 °E, z. B. SAE 85, SAE 90
  • mit Lamellenkupplungen (Ns 2 f/h, Ns 3, Diema): 5°E, z. B. HLP 68, SAE 80W.

(Die obenstehend Abhandlung ist nach bestem Wissen und Gewissen verfaßt, trotzdem sind jegliche Gewährleistungs- oder Haftungsansprüche ausgeschlossen.)

Letzte Änderung: 28.02.2018, Autor: Rainer Dominik