Mannschaftstransportwagen der SDAG Wismut

Wagen 105 und 106

Abb. 1: Wagen 106. Foto: Paul Heinrich, 2026

Beide Wagen wurden 1967 im Wismut-Werk 536, Cainsdorf gebaut, Wagen 105 mit der Fabriknummer 11 im April und Wagen 106 mit der Fabriknummer 15 im Juli. Die Typenbezeichnung 56.103 entspricht der Zeichungsnummer von 1958 aus dem VEB Förderwagenbau Vetschau.

Technische Daten
nach der Baubeschreibung vom 14.08.1958 des VEB Förderwagenbau Vetschau
Hersteller Wismut Werk 536, Cainsdorf
Sitzplätze 8
mögliche Spurweite 500…700 mm
Baujahr 1967
Fabriknummern 11 und 15
Länge über Kupplung 3000 mm
Breite   900 mm
Höhe 1530 mm
Achsabstand 1200 mm
Raddurchmesser   300 mm
Leermasse ca. 840 kg
HFD-Nr. 105 und 106

Die Wagen haben acht Sitzplätze. In diesen Wagen, die meist in ganzen Zügen von z. T. mehr als 10 Wagen fuhren, erfolgte der Transport der Bergleute zu den oft über mehrere Kilometer entfernten Arbeitsplätzen. Dabei wurde zu den Schichtwechselzeiten nach festen Fahrplänen gefahren.

Der geschweißte Rahmen ist auf zwei Losradsätzen mit Kegelrollenlagern auf Blattfedern gelagert. Durch den Einbau anderer Radsätze lassen sich Spurweiten von 500…700 mm realisieren. Im Bereich der Endeinstiege ist der Wagenkasten um ca. 35 mm je Seite eingezogen. Die Seiten- und Stirnwände sind mit dem Rahmen verschraubt, das Dach ist aufgesteckt und verschraubt.

Über die Klappen in den Stirnwänden kann bei Bedarf ein Schleifkorb (Krankentrage) in den Wagen eingeschoben werden. Dazu müssen zusätzlich auch die Sitzlehnen umgeklappt werden. An den Seitenwänden sind innen Haltehaken mit Schraubenfedern zur elastischen Aufhängung der Trage vorgesehen.

Ursprünglich waren die Wagen mit Gummipuffern und den üblichen Laschenkupplungen nach DIN 20581 an gefederten Ösen versehen (Abb. 2), so daß die Wagen in jeden Zug eingestellt werden konnten. Allerdings haben diese Kupplungen funktionsbedingt ein recht großes Spiel von 20…25 cm, so daß es insbesondere bei längeren Zügen beim unvorsichtigen Fahren zu beträchtlichen Längsstößen mit entsprechendem Verletzungsrisiko kommen konnte. Deshalb wurden die Laschenkupplungen entfernt, die Ösen um 90° gedreht und statt derer spezielle Kuppelstangen eingesetzt. Sie bestehen analog zu einem Doppel-T-Profil aus zwei Flanschblechen und einem dazwischen eingeschweißten kürzeren Stegblech. An den Haken neben der Kuppelöse können Notkuppelketten eingehängt werden (Abb. 3). Zusätzlich kann an einer Öse an der Stirnwand unter dem Dach eine weitere Kette zwischen zwei Wagen eingehängt werden, um das verbotene Durchsteigen zwischen den Wagen zu erschweren (Abb 1, links).

Abb. 2: Die ursprünglich Förderwagenkupplung am Wagen 119. Herrenleite, 2026
Abb. 3: Die Kuppelstange am Wagen 105. Dazu der Steckbolzen mit Klappbügelsicherung und die beiden Haken für die Notkuppelketten. Vom ursprünglichen Gummipuffer wurde nur soviel entfernt, wie unbedingt nötig. Herrenleite, 2026.

Die Wagen besaßen eine elektrische Signalleitung. Im Inneren waren am Dach pro Wagen ein Tastschalter befestigt, mit dem dem Lokführer eine Gefahr signalisiert werden konnte. Die elektrische Kupplung erfolgte über die handelsübliche Kfz-Steckdosen für Anhängerbetrieb. In der Vetschauer Baubeschreibung von 1958 sind zusätzlich noch ein schaltbares Zugschlußsignal und eine Innenbeleuchtung erwähnt, allem Anschein nach wurden diese bei den Cainsdorfer Wagen aber weggelassen.

Die Einstiegsöffnungen waren ursprünglich mit einfachen klappbaren Streben gesichert (Abb. 4). Später wurden sie durch Fallvorhänge ersetzt, um die Besatzung besser vor Zugluft zu schützen (Abb 1, links geöffnet, Mitte und rechts geschlossen).

Abb. 4: Innenansicht des Endabteils eines Wagens in der ursprünglichen Ausführung, allerdings vom VEB Förderwagen und Beschlagteile Mühlhausen. Auf Höhe der Sitzbank die Klappstrebe ➀, der Haltehaken mit Zugfeder ➁ und die Lehnenverriegelung ➂. Herrenleite, 2026.

Wagen 104: Mannschaftswagen aus Ludwigsdorf

Abb. 5: Wagen 104 mit HFD-Nr. 65 auf einer transportablen Anlage auf dem Gelände des Bahnhofs Langenau. Links die umgebaute Zug- und Stoßvorrichtung. Foto: Rainer Dominik, 1998.

Dieser Wagen diente dem Personaltransport in den Tagebau des Kalkwerks, also übertage. Dazu wurden in der Werkstatt des Kalkwerks die Zug- und Stoßvorrichtungen an das Kuppeln mit den übertägigen Fahrzeugen angepaßt. Als Puffer dient ein Holzklotz mit darübergespannter Stahlplatte. Für die Zugkupplung ist in die originale Kuppelöse ein Bolzen mit Kette verschraubt. Der Höhenversatz erzeugt aber im Belastungsfall ein zusätzliches Kippmoment auf die Kuppelösen, wodurch deren hintere Enden gegen die Abdeckbleche hochschlagen und diese mittlerweile ausgebrochen sind.

An den Einstiegen sind Sicherungsketten verbaut, die in die ursprünglichen Haken der Klappstreben eingehängt werden.

Wagen 119: Mannschaftstransportwagen aus dem Mansfelder Kupferschieferbergbau

Abb. 6: Wagen 119 ist auf dem Gleislagerplatz dermaßen eingebaut, daß ein besseres Foto nur mit erheblichen Aufwand möglich wäre. Aber er steht regengeschützt. Rechts am Wagen das Klappgitter zur Einstiegssicherung in halbgeöffneter Stellung, oben lassen sich in der Einstiegsöffnung die Gardinenstange und zwei Schlüsselringe für einen Vorhang erahnen. Herrenleite, 2026.

Im Unterschied zu den vorher beschriebenen Wagen fallen hier sofort die drei Längssicken auf der Stirnwand und der Klappe auf, was auf den Hersteller VEB Förderwagen und Beschlagteile Mühlhausen schließen läßt.

Außerdem sind die Einstiege hier mit einem für den Mansfelder Kupferschieferbergbau typischen Klappgitter gesichert und zusätzlich „Gardinenstangen“ mit Schlüsselringen für Vorhänge angeordnet.

Wagen 120: Wismut-Mannschaftstransportwagen

Abb. 7: Wagen 120 im Gleisbaulager, notdürftig freigelegt zum Fotografieren. Links daneben das Schienenfahrrad, HFD-Nr. 963. Herrenleite, 2026.

Es handelt sich um einen PW 301 aus dem Wismut-Werk 356, Cainsdorf aus den 1980er Jahren. Auffallend an diesem Wagen ist sein rechteckiger Grundriß im Vergleich zu den eingezogenen Enden der vorher beschriebenen Wagen. Der Fertigungsaufwand wird dadurch wesentlich geringer und im Bergbau sind die Gerätschaften zum Platzschaffen immer da, falls es irgendwo im Gleisbogen zu eng ist. Ansonsten sind die Hauptabmessungen unverändert, nur die Einstiegsöffnungen sind um wenige Zentimeter breiter. Die Seitenwände sind wie beim vorherigen Modell mit dem Rahmen verschraubt, das Dach ist jetzt aber mit den Seitenwänden verschweißt. Eine weitere Änderung betrifft die Frontklappen. Sie öffnen jetzt nach außen, sie können und müssen jetzt nach Einbringen eines Schleifkorbs wieder verschlossen werden. Die Aufhängevorrichtungen für den Schleifkorb sind jedoch entfallen. Wie die anderen Wismut-Wagen ist auch dieser mit Fallvorhängen vor den Einstiegen versehen.

Autor: Rainer Dominik, Helge Mai, letzte Bearbeitung: 05.05.2026