Wismut-Förderwagen 1,6 m³

Wagen 549, 555…560, 567…570

Wagen 549 im oberen Bruch. Der Wagen stand jahrelang im Kalkwerk Hammerunterwiesenthal verkehrt herum auf einem Lagerplatz, wodurch alles an ihm festgerostet war, auch die Räder. Mit viel Mühe und viel Öl konnten letztere wieder gängig gemacht werden. Da ihn keine einzige Beule ziert, war er vermutlich nie im Einsatz. Gut erkennbar sind die Schraubenfedern für die Zug- und Stoßvorrichtungen und die eingepreßten Handschutztaschen mit angeschweißten Griffen an den Stirnwänden. Die darunter befindlichen schmalen Konsolen dienen vermutlich als Ansatzpunkte für Stockwinden zum Wiedereingleisen. Herrenleite, 2026, Foto: Rainer Dominik.

Die Förderwagen entsprechen weitestgehend den Förderwagen 1,600-H TGL 4489. Sie sind lediglich mit einer Länge über Puffer von 2,45 m etwas kürzer als die TGL-Wagen mit 2,65 m. Möglicherweise hängt das mit schon länger vorhandenen Kreiselwippern (Wikipedia) zusammen, die die längeren TGL-Wagen nicht problemlos entleeren können. Außerdem haben die Wagen gefederte Zug- und Stoßvorrichtungen.

Technische Daten
mmWismut-WagenTGL 4489
Kastenbreite850842 +10/-15
Raddurchmesser350350
Achsstand800800
Kastenlänge23002426
Höhe11501180
Länge über Puffer24502650
Eigenmasse?870 kg
Nenninhaltca. 1,5 m³1,6 m³

Es gibt noch eine zweite Ausführung dieses Wagentyps. Bei ihm ist der Behälterboden ausgerundet, statt eben und es fehlen die schmalen Konsolen unterhalb der Handschutztaschen.

Auf der Basis dieser Förderwagen sind viele Umbauten entstanden, von denen einige den Weg in unser Museum gefunden haben.

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Baustofftransportwagen

Ein Baustofftransportwagen mit Blechdeckel. Herrenleite, 2026, Foto: Rainer Dominik.

Hierbei handelt es sich weniger um einen Umbau als um eine Ergänzung. Ein unveränderter Förderwagen ist mit einem Deckel aus Stahl oder Kunststoff versehen, um Baumaterialien vor der im Bergbau allgegenwärtigen Tropfnässe zu schützen. Außerdem hat er einen auffälligen Anstrich erhalten, damit er nicht versehentlich in einen Kreiselwipper gerät.

In einem dieser Wagen mit Kunststoffdeckel wurde in unserer Werkstatt ein Akkumulatorsatz untergebracht. Er dient zum Vorführen der Fahrdrahtloks in unserem Museum. Die 32 Blöcke mit je 6 V ergeben eine Nennspannung von 192 V, ihre Nennkapazität beträgt 108 Ah (CN) bzw. 153 Ah bei zehnstündiger Entladung (C10). Sie liefen zehn Jahre in einer Netzersatzanlage und wurden dort 2025 planmäßig ausgetauscht. Mit unseren Vorführfahrten haben wir sie noch nicht erschöpfen können.

Der Baustofftransportwagen mit Kunststoffdeckel und eingebautem Akkusatz zum Vorführen von Fahrdrahtloks. Herrenleite, 2026, Foto: Rainer Dominik.

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Wagen 565: Werkzeugwagen, Gezähehunt

Wagen 565 mit abgenommenen Kunststoffdeckel. Als Pufferfedern sind links Schraubenfedern, rechts aber Gummifedern verbaut. Herrenleite, 2026, Foto: Rainer Dominik.

Dieser Wagen dient dem Werzeugtransport (bergmännisch: Gezähe). Zwecks einfacherer Beladung ist der Behälter auf 0,85 m über SO (Schienenoberkante) zurückgeschnitten und die Seiten mit Stahlprofilen U 80 eingefaßt. Außerdem ist ein ebener Boden aus 8-mm-Stahlblech in 0,5 m Höhe über SO eingeschweißt. Die Beschriftung „H20“ könnte auch als „H2O“, also Wasser, interpretiert werden. Möglicherweise wurde der Wagen zum Transport von Kanistern mit gereinigtem Wasser für die Bleiakkumulatoren verwendet, die Wandhöhe von 0,35 m paßt gut zu den üblichen 20-l-Kunststoffkanistern. Als Wetterschutz dient auch hier ein Kunststoffdeckel. Die Funktion diverser angeschweißter Schrauben konnte bis jetzt nicht geklärt werden.

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Wagen 564: Gasflaschenwagen

Wagen 564 ist zwar im Freien, aber provisorisch überdacht abgestellt. Schon für dieses Foto waren erhebliche körperliche Anstrengungen nötig. Der angekettete Maulschlüssel ist zum Festschrauben des Sauerstoff-Druckminderers. Die Schläuche werden um die beiden oberen Stäbe gewickelt, das Rohrstück zum Betrachter hin nimmt die Schweißdrähte auf. Herrenleite, 2026, Foto: Rainer Dominik.

Der Wagen ist für den Transport von zwei Gasflaschen für Azetylen und Sauerstoff und den Schweißarmaturen für das Brennschneiden (Wikipedia) oder Autogenschweißen (Wikipedia) eingerichtet. Auch hier ist der Behälter auf 0,85 m Höhe über SO heruntergeschnitten worden.

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Wagen 571…574: Seitenentleerer

Ein Seitenenleerer, eingestapelt und provisorisch überdacht auf dem Gleislagerplatz. Der angekettete Verschlußkeil ist noch nicht vollständig eingetrieben, sein Kopf müßte unterhalb der Sicherungsstange sitzen. Herrenleite, 2026, Foto: Rainer Dominik.

Die Wagen wurden für den Transport von Beton umgebaut. Nach Entriegeln der Seiteklappe entleert sich der Inhalt mit einem Mal.

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Wagen 576, 577: Schotterhunte

Der Schotterhunt im verfahrbereiten Zustand. Zwischen den Räder die geschlossene Seitenklappe mit Schüttrutsche. Herrenleite, 2026, Foto: Rainer Dominik.

Diese Wagen wurden zum Einschottern von Gleisen mit mehreren Entladeöffnungen versehen. Beidseitig sind Klappen mit kurzen Schüttrutschen eingearbeitet und im Boden ist ein Schieber, der über Zahnstange und Zahnrad betätigt wird. Zusätzlich sind Trichterbleche eingeschweißt. Diese sind jedoch aus Platzgründen für ein selbständiges Herauslaufen des Ladeguts zu wenig geneigt, so daß für eine vollständige Entleerung händisch nachgeholfen werden muß.

Die drei Enladeöffnungen und die Trichterbleche. Klappe links ist geöffnet, rechts verschlossen. Der Bodenschieber ist halb geöffnet. Herrenleite, 2026.
Zum Öffnen der Klappe wird in dem Behälterausschnitt die Verriegelungsstange aus der Arretierposition gedreht und zurückgezogen (vgl. oberes Bild). Durch den Ausschnitt ist auch der Arretierbolzen für den Bodenschieber erreichbar. Vor dem Rad steckt der Schlüssel zum Betätigen des Bodenschiebers. Herrenleite, 2026, Fotos: Rainer Dominik.

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Wagen 561 und 566: Kabeltrommelhunte

Die beiden Kabletrommelhunte. Es sind im Detail viele Unterschiede zu erkennen, vermutlich wurden die Ausführungen an das jeweils vorhandene (Alt-)Material angepaßt. Das Speichenrohr „auf 5 Uhr“ hat einen Riß, der vermutlich auf Materialermüdung oder Korrosion in seinem vorherigen „Leben“ zurückzuführen ist. Herrenleite, 2026, Foto: Rainer Dominik.

Wenn man untertage lange Strecken vortreibt, müssen dort entlang auch Elektrokabel und Signalleitungen (Telefon) verlegt werden.Mit diesen Fahrzeugen können diese Kabel transportiert und ausgerollt werden. Sie sind so dimensioniert, daß sie den verfügbare Raum im Förderkorb größtmöglich ausnutzen. Bei diesen beiden Wagen wurden nur die Radsätze, Rahmenwangen und die Zug- und Stoßvorrichtungen von den Förderwagen verwendet, die Kopfstücken sind sehr individuell gestaltet. Es gab jedoch auch Wagen auf der Basis kompletter Förderwagen, deren Behälter bis auf Rahmenoberkante zurückgeschnitten wurde.

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Als weitere Umbauten sind Kesselhunte, Latrinenhunte und Akkutransportwagen bekannt.

Autor: Rainer Dominik, letzte Änderung: 2026