Wagen 105 und 106
Beide Wagen wurden 1967 im Wismut-Werk 536, Cainsdorf gebaut, Wagen 105 mit der Fabriknummer 11 im April und Wagen 106 mit der Fabriknummer 15 im Juli. Die Typenbezeichnung 56.103 entspricht der Zeichungsnummer von 1958 aus dem VEB Förderwagenbau Vetschau.
| Hersteller | Wismut Werk 536, Cainsdorf | |
| Sitzplätze | 8 | |
| mögliche Spurweite | 500…700 mm | |
| Baujahr | 1967 | |
| Fabriknummern | 11 und 15 | |
| Länge über Kupplung | 3000 mm | |
| Breite | 900 mm | |
| Höhe | 1530 mm | |
| Achsabstand | 1200 mm | |
| Raddurchmesser | 300 mm | |
| Leermasse | ca. 840 kg | |
| HFD-Nr. | 105 und 106 | |
Die Wagen haben acht Sitzplätze. In diesen Wagen, die meist in ganzen Zügen von z. T. mehr als 10 Wagen fuhren, erfolgte der Transport der Bergleute zu den oft über mehrere Kilometer entfernten Arbeitsplätzen. Dabei wurde zu den Schichtwechselzeiten nach festen Fahrplänen gefahren.
Der geschweißte Rahmen ist auf zwei Losradsätzen mit Kegelrollenlagern auf Blattfedern gelagert. Durch den Einbau anderer Radsätze lassen sich Spurweiten von 500…700 mm realisieren. Im Bereich der Endeinstiege ist der Wagenkasten um ca. 35 mm je Seite eingezogen. Die Seiten- und Stirnwände sind mit dem Rahmen verschraubt, das Dach ist aufgesteckt und verschraubt.
Über die Klappen in den Stirnwänden kann bei Bedarf ein Schleifkorb (Krankentrage) in den Wagen eingeschoben werden. Dazu müssen zusätzlich auch die Sitzlehnen umgeklappt werden. An den Seitenwänden sind innen Haltehaken mit Schraubenfedern zur elastischen Aufhängung der Trage vorgesehen.
Ursprünglich waren die Wagen mit Gummipuffern und den üblichen Laschenkupplungen nach DIN 20581 an gefederten Ösen versehen (Abb. 2), so daß die Wagen in jeden Zug eingestellt werden konnten. Allerdings haben diese Kupplungen funktionsbedingt ein recht großes Spiel von 20…25 cm, so daß es insbesondere bei längeren Zügen beim unvorsichtigen Fahren zu beträchtlichen Längsstößen mit entsprechendem Verletzungsrisiko kommen konnte. Deshalb wurden die Laschenkupplungen entfernt, die Ösen um 90° gedreht und statt derer spezielle Kuppelstangen eingesetzt. Sie bestehen analog zu einem Doppel-T-Profil aus zwei Flanschblechen und einem dazwischen eingeschweißten kürzeren Stegblech. An den Haken neben der Kuppelöse können Notkuppelketten eingehängt werden (Abb. 3). Zusätzlich kann an einer Öse an der Stirnwand unter dem Dach eine weitere Kette zwischen zwei Wagen eingehängt werden, um das verbotene Durchsteigen zwischen den Wagen zu erschweren (Abb 1, links).


Die Wagen besaßen eine elektrische Signalleitung. Im Inneren war pro Wagen am Dach ein Tastschalter befestigt, mit dem dem Lokführer eine Gefahr signalisiert werden konnte. Die elektrische Kupplung erfolgte über die handelsüblichen Kfz-Steckdosen für Anhängerbetrieb. In der Vetschauer Baubeschreibung von 1958 sind zusätzlich noch ein schaltbares Zugschlußsignal und eine Innenbeleuchtung erwähnt, allem Anschein nach wurden diese bei den Cainsdorfer Wagen aber weggelassen.
Die Einstiegsöffnungen waren ursprünglich mit einfachen Klappriegeln gesichert (Abb. 4). Sie sollen verhindern, daß beim unaufmerksamen bzw. schlafenden Mitfahrer das Knie außerhalb des Wagens schwenkt. Später wurden sie durch Fallvorhänge ersetzt, um die Besatzung besser vor Zugluft zu schützen (Abb 1, links geöffnet, Mitte und rechts geschlossen).

Wagen 104: Mannschaftswagen aus Ludwigsdorf

Dieser Wagen diente dem Personaltransport in den Tagebau des Kalkwerks, also übertage. Dazu wurden in der Werkstatt des Kalkwerks die Zug- und Stoßvorrichtungen an das Kuppeln mit den übertägigen Fahrzeugen angepaßt. Als Puffer dient ein Holzklotz mit darübergespannter Stahlplatte. Für die Zugkupplung ist in die originale Kuppelöse ein Bolzen mit Kette verschraubt. Der Höhenversatz erzeugt aber im Belastungsfall ein zusätzliches Kippmoment auf die Kuppelösen, wodurch deren hintere Enden gegen die Abdeckbleche hochschlagen. Wegen dieser zusatzlichen Beanspruchung sind die Bleche mittlerweile herausgebrochen.
An den Einstiegen sind Sicherungsketten verbaut, die in die ursprünglichen Haken der Klappriegel eingehängt werden.
Wagen 119: Mannschaftstransportwagen aus dem Mansfelder Kupferschieferbergbau

Im Unterschied zu den vorher beschriebenen Wagen fallen hier sofort die drei Längssicken auf der Stirnwand und der Klappe auf, was auf den Hersteller VEB Förderwagen und Beschlagteile Mühlhausen schließen läßt.
Außerdem sind die Einstiege hier mit einem für den Mansfelder Kupferschieferbergbau typischen Klappgitter gesichert und zusätzlich „Gardinenstangen“ mit Schlüsselringen für Vorhänge angeordnet.
Wagen 120: Wismut-Mannschaftstransportwagen

Im März 1973 wurde vom Werk 536 Cainsdorf mit der Kenn-Nr. 05.2.003 ein Datenblatt für Fördermittel. Personenwagen mit 8 Sitzplätzen. herausgegeben. In ihm sind vier Varianten des Personenwagens beschrieben, unterschieden im Laufraddurchmesser und der Ausrüstung mit Handbremse.
| Typ | PW301 | PW351 | PB301 | PB351 | |
| Handbremse | – | – | vorh. | vorh. | |
| Raddurchmesser | mm | 300 | 350 | 300 | 350 |
| Masse | kg | 800 | 870 | 830 | 905 |
Im Text ist noch von „3 Einstiegen mit Riegelverschluß“ geschrieben. In einer technischen Zeichnung vom 28.05.75 sind aber die „Jalousie“ genannten Fallvorhänge dargestellt. Man kann davon ausgehen, daß ab diesem Zeitpunkt alle Neubaufahrzeuge mit den Fallvorhängen ausgeliefert wurden.
Auffallend an diesen Wagen sind ihre rechteckigen Grundriße im Vergleich zu den eingezogenen Enden der vorher beschriebenen Wagen. Der Fertigungsaufwand wird dadurch wesentlich geringer und im Bergbau sind die Gerätschaften zum Platzschaffen immer da, falls es irgendwo im Gleisbogen zu eng ist. Ansonsten sind die Hauptabmessungen unverändert, nur die Einstiegsöffnungen sind um wenige Zentimeter breiter. Die Seitenwände sind wie beim vorherigen Modell mit dem Rahmen verschraubt, das Dach ist aber mit den Seitenwänden verschweißt. Eine weitere Änderung betrifft die Frontklappen. Sie öffnen jetzt nach außen, deswegen können und müssen sie nach Einbringen eines Schleifkorbs wieder verschlossen werden. Die Aufhängevorrichtungen für den Schleifkorb sind jedoch entfallen. Ein Anschlußkabel für Signalschalter und Schlußleuchte wird erwähnt und Schlußleuchten an den Stirnwänden.
Daß es die Wagen mit zwei verschiedenen Raddurchmessern gibt, liegt vermutlich daran, daß es Werke mit kleinen Förderwagen mit 300er Rädern und Werke mit Großraumförderwagen mit 350er Rädern gibt. Um die Ersatzteilhaltung möglichst wirtschaftlich zu gestalten, wurden Personenwagen mit gleichen Rädern wie die Förderwagen beschafft.
Autor: Rainer Dominik unter Zuarbeit von Paul Heinrich und Helge Mai, letzte Bearbeitung: 23.07.2026

