
Dieser Wagen stammt aus der Ziegelei Helmsdorf und ist 1991 zusammen mit den Loks 58, 59 und 130 nach Klotzsche gekommen. Nach Aussagen der Helmsdorfer Arbeiter diente er zum Transport von Fördergurten oder auch von Schienen. Bei der Abschiedsfahrt in Helmsdorf wurden zwecks Mitfahrgelegenheit auf der unteren Ebene zwei Bretter eingelegt.

Die HFD hatte zum Übernahmezeitpunkt nur drei kleine Eigenbau-Personenwagen auf Muldenkipperbasis (101…103) sowie den Untertage-Mannschaftswagen 104. Um die „Beförderungskapazität“ zu erhöhen, kam die Idee auf, den Wagen mit wenig Aufwand in einen weiteren Sitzwagen umzubauen. Kriterien, wie der Erhalt der historischen Substanz, spielten damals noch eine sehr untergeordnete Rolle. Auch macht das Ergebnis ja durchaus einen authentischen Eindruck.
Als Sitz dienten drei Bohlen. Zu ihrer Fixierung wurden oberhalb von ihnen zwei Querstreben eingeschweißt und die Bohlen mit aufgeschraubten Querhölzern gesichert. Für die Fußbretter wurden zwei durchgehende Winkelprofile quer auf den Rahmen geschweißt und daran Bretter angeschraubt. Als Berührungsschutz gegen die Räder kamen zwei vorhandene kräftige Blechstreifen zur Anwendung, die an die Abrollböcke geschweißt wurden.

Zwischen 1998 und 2000 gab es einen zweiten kleineren Umbau. Die Sitzbohlen waren nicht direkt mit dem Gestell verschraubt und hatten dadurch eine gewisse Beweglichkeit. Dadurch bestand die Gefahr, des Finger- oder Hauteinklemmens. Deshalb wurden die neuen Bretter mit Schloßschrauben direkt an die Winkeleisen geschraubt. Außerdem wurde ein Ablageboden auf dem Rahmen befestigt (siehe erstes Foto und unten).
Ursprünglich handelt es sich bei dem Fahrgestell um einen Muldenkipper, wie man an den Abrollböcken mit Abrollohren und den immer noch vorhandenen, aber funktionslosen Feststellhebeln erkennt. Die fehlende Stoßstrebe und die vermutlich erst später eingeschraubten Stützstreben für die Abrollböcke lassen auf ein sehr leichtes Modell für Handverschub schließen. Radsätze und Achslager entsprechen der TGL bzw. DIN, wurden also vermutlich schon einmal getauscht. Die Länge über Puffer beträgt 1,67 m, die Rahmenbreite ursprünglich 865 mm, jetzt 1300 mm, der Rahmen ist aus parallelflanschigem U-Profil 105 x 68. Die Abrollböck haben eine lichte Weite von 1,11 m und sind aus parallelflanschigem U-Profil 50 x 38. An die Abrollohren sind zwei Winkelprofile 100 x 50 x 8 geschweißt, auf sie vier Vierkant-Hohlprofile 50 x 50 x 4, auf diese wiederum zwei 750 mm lange Schienenprofile, 68 mm hoch, 55 mm Fuß- und 32 mm Kopfbreite (Schienprofil S 10, DIN 5901: 70 mm hoch, 58 mm Fuß- und 32 mm Kopfbreite).








Die Höhe der oberen Beladeebene gibt Rätsel auf. Wie auf dem zweiten Foto ersichtlich, ist sie zu niedrig, um Schienen mit Überhang oberhalb der Kippmulden zu transportieren, für eine händische Be- und Entladung wäre aber die untere Ebene deutlich weniger anstrengend zu bestücken. Möglicherweise waren früher verwendete ältere Muldenkipper ausreichend klein.
An den Schienenstücken der oberen Beladeebene waren vier Laschen angeschweißt, die alle vier mit einem grob ausgearbeiteten Vierkantloch versehen sind. Möglicherweise konnte durch sie das Ladegut verzurrt werden. Oder es waren einfach vorhandene Teile, die ursprünglich für einen anderen Zweck vorgesehen waren. Während zwei der vier Laschen oben und unten verschweißt sind, waren die zwei anderen nur oben verschweißt, weshalb eine davon beim Anstoß eines Gleisjochs von außen abbrach (siehe erstes Bild oben rechts).
Autor: Rainer Dominik, letzte Änderung 28.09.2025
