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Lok 82: LKM Ns 2 f aus Bautzen

Hersteller und Geschichte

Der VEB Lokomotivbau „Karl Marx“ Babelsberg (LKM), welcher als Nachfolger aus der Lokomotivfabrik „Maschinenbau und Bahnbedarf AG, vormals Orenstein & Koppel“ (MBA) hervorging, wurde beauftragt, ein Typenprogramm an Feld- und Werkbahndiesellokomotiven zu entwickeln und zu fertigen. Als Nachfolger der Ns 2, welche den ersten Feldbahnloktyp darstellte, entwickelte man bei LKM die Bauart Ns 2 f, deren Prototyp 1952 vorgestellt wurde. Von 1953 bis 1959 kamen insgesamt ca. 550 Serienloks zur Auslieferung. Die Ns 2 f war einer der weit verbreitetsten Feldbahnloktypen in der DDR und erfreut sich auch heute noch bei vielen Museen und Sammlungen einer großen Beliebtheit.

Technik

Werkseitig waren alle Lokomotiven des Typs Ns 2 f mit einem stehenden Zweizylinder-Viertakt-Dieselmotor vom Typ 16 V 2 ausgerüstet. Bei diesem in V-Form ausgeführten Motor handelte es sich um eine Kriegsentwicklung von O&K, welcher nach dem Krieg in verschiedenen Motorenwerken der DDR gefertigte wurde. Der erste und zweite Gang sind im Getriebe als Lamellen-Nasskupplungen angeordnet und der dritte Gang befindet sich als Trockenkupplung außerhalb des Getriebegehäuses. Wendegetriebe und die Blindwelle übernehmen die weitere Kraftübertragung. Der Antrieb auf die beiden Radsätze erfolgt über Kuppelstangen. Die Achsen der Ns 2 f verfügen über Außenlager, welche als Gleitlager ausgebildet sind. Die Lokomotiven des Typs Ns 2 f sind mit eine elektrische 12/24 V-Anlage ausgerüstet. Schon bald nach der Auslieferung durch den VEB Lokomotivbau „Karl Marx“ Babelsberg führte man Umbauten an den Lokomotiven durch. Als wesentlichste Maßnahme ist der Einbau eines neuen, luftgekühlten Motors anzusehen. Zum Einsatz gelangte fast ausschließlich der Zweizylinder Direkteinspritzer-Dieselmotor 2 VD 14,5/12 SRL vom Motorenwerk Schönebeck.

HFD Nr. 82

Unsere Lok 82 war früher beim VEB Lausitzer Granit Demitz-Thumitz im Einsatz. Von dort aus gelangte sie als Spielplatzlok in einen Kindergarten nach Bautzen. Die Außerdienststellung muss schon relativ zeitig erfolgt sein, denn an der Lokomotive waren kaum Umbauten vorgenommen worden. Sogar die originale Kupplungsglocke zum 16 V 2-Motor war noch eingebaut. Der Kindergarten wurde 1995 aufgelöst, und ein Erwerb der Lok war möglich. Schon bald erfolgte bei der HFD eine Zerlegung in fast alle Einzelteile sowie eine gründliche Entrostung und Regenerierung verschlissener Teile. Das Aufarbeitungsziel war von Anfang an die Rückversetzung in den Auslieferungszustand von LKM einschließlich des originalen Motors. Ein 16 V 2-Motor sowie zahlreiche originale Anbau- und Zurüstteile konnten beschafft werden. Der Motor erhielt neue Laufbüchsen und Kolben sowie neue Pleuel- und Kurbelwellenlager. Die Achs- und Stangenlager bekamen einen neuen Weißmetallausguss. Die elektrische Anlage einschließlich der originalen Lampen wurde wieder installiert. Bis 1999 konnten die Arbeiten abgeschlossen werden.

Technische Daten
Hersteller Lokomotivbau „Karl Marx“ Babelsberg (LKM)
Typ Ns 2 f
Baujahr 1957
Fabriknummer 248 871
Spurweite 600 mm
Motor Zweizylinder Viertakt Dieselmotor Typ 16 V 2 „Aktivist“ (Hersteller: u. a. VEB Motorenwerk Johannisthal)
Leistung 30 PS bei 1500 U/min
Getriebe 3-Gang Lamellenkupplungsgetriebe und Wendegetriebe
Kraftübertragung Blindwelle und Stangen
Vmax 14 km/h
Masse 6,2 t
HFD-Nr. 82
Einsatzgeschichte
  • neu an ?
  • VEB Lausitzer Granit Demitz-Thumitz
  • Spielplatzlok Kindergarten Einsteinstraße Bautzen
  • 1995 an HFD
Während der Fahrzeugparade in der Herrenleite. Foto: A. Weber, 13.06.2011 .
Das Fahrzeug mit einem Lorenzug auf dem Klotzscher Gelände. Foto: R. Schreier, 2000 .
Hier steht die Lok noch auf dem Spielplatz des Kindergartens in Bautzen. Foto: R. Dominik, 1995 .
Bei der Verladung auf den S4000. Foto: R. Dominik, 1995 .
Der Motorvorbau war voller Sand, welche mühsam entfernt werden musste. Foto: R. Dominik, 1995 .
Bei der Aufarbeitung von Lok HFD Nr. 82 wurde zur Erleichterung der Arbeiten der Rahmen umgedreht. Gut erkennbar sind dabei beide Achsen, die Blindwelle mit Gegenkurbeln und das Bremsgestänge. Hier ist alles schon wieder montiert, und die Lok kann bald auf die Achsen gestellt werden. Foto: R. Schreier, 1996 .
Blick in den Motorvorbau von HFD 82 mit dem 16 V 2-Motor. Auffallend ist der kreisrunde Gusskörper am Motor sowie in Gestalt der Verbindungsglocke zum Getriebe, worin die Schwungmasse läuft. Markant sind auch die schräg nach oben gerichteten Zylinder des Motors. Foto: R. Schreier, 2011 .
Am geöffneten Getriebe der Ns 2 f liegt die oben angeordnete erste Getriebewelle frei. Auf ihr befindet sich links außerhalb des Getriebegehäuses die Kupplung des 3. Ganges. In die runde seitliche Getriebeöffnung wird später eines der Kegelzahnräder des Wendegetriebes eingebaut. Foto: R. Schreier, 1997 .

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Letzte Änderung: 05.03.2013